Lernmethoden · Mathematik
Warum ein Fächer statt einer Einmaleinstafel?
Eine didaktische Entscheidung für echtes Verständnis
In der schulischen Praxis sind Einmaleinstafeln in kompakter Tabellenform weitverbreitet. Sie gelten als platzsparend, schnell einsetzbar und kostengünstig in der Produktion. Gerade im kommerziellen Lehrmittelmarkt dominieren diese Formate – eine einzige Tafel, die alle Malfolgen auf einen Blick zeigt. Doch bei genauerer Betrachtung zeigt sich: Diese Form der Darstellung orientiert sich eher an der Logik und Bequemlichkeit Erwachsener als an den Lernbedürfnissen von Kindern.
Das Problem mit der klassischen Einmaleinstafel
Die klassische Einmaleinstafel zeigt Ergebnisse in einer Matrix – meist ohne Rechenzeichen, ohne Aufgabentrennung, ohne erkennbare Reihenfolge. Lernende müssen implizit wissen, was gemeint ist, und sich in einem zahlenlastigen Raster zurechtfinden. Es fehlt an Strukturierung, Handlung und Klarheit.
Was das Fächerformat besser macht
Das Fächerformat setzt bewusst einen anderen Schwerpunkt: Hier steht nicht der schnelle Überblick im Vordergrund, sondern der konkrete Lernprozess. Jede Karte im Fächer enthält eine vollständige Malreihe – auf der Vorderseite das Malrechnen, auf der Rückseite das passende Geteiltrechnen. Lernende sehen nicht nur Ergebnisse, sondern vollständige Aufgaben mit Rechenzeichen. So entsteht ein echtes Verständnis für die zugrunde liegenden Operationen.
Hinzu kommt die aktive Handhabung: Um eine Aufgabe zu finden oder zu überprüfen, muss die entsprechende Karte gezielt ausgewählt oder umgedreht werden. Statt passiv auf eine Tabelle zu schauen, wird das Material physisch durchblättert – ein Element der Handlungsorientierung, das die Merkfähigkeit und das Verständnis nachweislich fördert.
Hinweis für Lehrkräfte
Ein weiterer zentraler Aspekt ist der bewusste Start jeder Malreihe mit der Null. Während viele Tabellen mit „1 mal …" beginnen, setzen die Fächerkarten bei „0 mal …" an. Die Null als Startpunkt der Mathematik sichtbar zu machen, hilft Kindern, das Rechnen von Anfang an als strukturierte und vollständige Tätigkeit zu begreifen.
Das Material enthält alle Malreihen bis zur Zwölf, nicht nur bis zehn. Die Multiplikationsfächer lassen sich laminieren, bündeln und flexibel einsetzen – einzeln, in Stationen oder als Teil des täglichen Kopfrechentrainings. Die beidseitige Struktur ermöglicht Selbstkontrolle, die klare Aufgabenstellung fördert Sicherheit.
Fazit
Die Entscheidung für das Fächerformat ist kein gestalterischer Zufall, sondern das Ergebnis einer pädagogischen Prioritätensetzung: Lernen vor Logistik. Verständlichkeit vor Übersichtlichkeit. Handlung vor Abkürzung. Wer echtes Verständnis fördern will, sollte nicht auf schnelle Lösungen setzen, sondern auf durchdachte Materialien, die Lernen wirklich unterstützen.